Aventiure

Aus dem Lat.-vulgärlat., fr.-mhd. "Abenteuer":

1. Ritterliche Bewährungsprobe
2. Abschnitt im mittelhochdeutschen Epos.

Dieser setzt sich in der Hauptsache aus Berichten über ritterliche Bewährungsproben zusammen.

Zu 1. Im Artusroman des Hartmann von Aue (um 1165-um 1215) ist der Ritter Erec die Hauptfigur. Erec gehört zur Tafelrunde des sagenumwobenen britischen Königs Artur.

Zu 2. Das im 12. Jahrhundert entstandene Nibelungenlied, dessen Verfasser unbekannt ist, gehört zu den mittelhochdeutschen Epen. Es ist bei verschiedenen Völkern zu unterschiedlichen Zeiten unter mehreren Namen entstanden. Mittelpunkt des ersten Teils des Nibelungenliedes ist der Ritter Siegfried aus den Niederlanden. Schauplätze der Ereignisse sind Burgund und das Ungarland.

Das Nibelungenlied lässt sich in zwei großen Aventiuren einfassen. Bei der Aventiure 1-19 handelt es sich sowohl Kriemhild und Siegfried als auch um Brünhilde und Gunter. Brünhilde verfügt ungeahnte riesige Kräfte. Deshalb erwartet sie von ihrem zukünftigen Mann Gunter ebenfalls ungeahnte riesige Kräfte. Bei einem ritterlichen Spiel gelingt es Siegfried, dem Gunter mit Hilfe einer Tarnkappe und der entsprechenden List und Tücke, dem Gunter für kurze Zeit übernatürliche Kräfte zu verleihen. Schließlich kommt es zu einer Doppelhochzeit in Worms.

Später kommt es bei einem Kirchgang zwischen Kriemhild und Brünhilde zu einem Streit. Bei der dabei erfolgten Beleidigung kommt der Betrug mit den ungeahnten Kräften Gunters zur Sprache. Nun beschließt Brünhilde die Ermordung Siegfrieds. In Hagen findet sie einen willigen Helfer. Nach der ruchlosen Tat versenkt Hagen den Nibelungenschatz im Rhein.

Bei der Aventiure 20-39 handelt es sich um Kriemhilds Rache. Sie will Siegfrieds Ermordung rächen. Nachdem sie als Witwe dreizehn Jahre lang um Siegfried getrauert hatte, wirbt König Etzel um Kriemhild. Nach längerer Zeit ist Kriemhild mit einer zweiten Ehe einverstanden. Durch die Vermählung kommt sie zu König Etzel an den Hof im Ungarland.

Nach sieben Ehejahren schenkt sie ihm einen Sohn. Dann erfolgt eine freundliche Einladung an die Burgunder. Nur Hagen ahnt, dass Kriemhild etwas Böses im Schilde führt. Er soll unbedingt an der Einladung teilnehmen. Am Hofe von König Etzel kommt es dann zu einem furchtbaren Gemetzel. Schließlich lässt Kriemhild ihrem Bruder Gunter, der sich als Mitwisser der Versenkung des Nibelungenschatzes weigert, den geheimen Ort preiszugeben, den Kopf abschlagen. Als auch Hagen sich weigert, schlägt sie ihm eigenhändig mit Siegfrieds Schwert den Kopf ab. Kurz darauf wird Kriemhild durch Hildebrand mit dem Schwert erschlagen.