Bürgerliches Trauerspiel

Das bürgerliche Trauerspiel ist eine Sonderform der Tragödie. In ihm gerät ein Bürger in einen tragischen Konflikt, der durch Spannungen zwischen dem Adel und dem unterdrückten Bürgertum oder durch die Wertvorstellungen des Bürgertums hervorgerufen wurde.
Der Begriff Bürgertum umfasst eine Gesinnungsgemeinschaft, der Personen niederen Adels aber auch des Kleinbürgertums angehören. Mit dem bürgerlichen Trauerspiel erschafft sich das emanzipierte Bürgertum eine eigene Präsentationsplattform. Zuvor trat der Bürger nur in der Komödie als Hauptfigur auf, in der er mit seinen Problemen nur verlacht wurde.
Als Begründer des bürgerlichen Trauerspiels in der deutschen Literatur gilt Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) mit seinem Stück „Miss Sara Sampson“.
In der Entwicklung des bürgerlichen Trauerspiels werden drei Phasen unterschieden. In der ersten Phase herrschen Auseinandersetzungen des Adels mit dem Bürgertum vor (Lessing: „Emilia Galotti“, Schiller: „Kabale und Liebe“). In der zweiten Phase entspringt der Konflikt häufig der eigenen bürgerlichen Engstirnigkeit sowie kleinbürgerlichen Moralvorstellungen (Hebbel: „Maria Magdalena“). In der dritten Phase schließlich werden die Konventionen des Bürgertums entlarvt und das bürgerliche Trauerspiel weitet sich zum sozialen Drama / zum gesellschaftlichen Drama aus (Gerhard Hauptmann, Henrik Ibsen, Berthold Brecht).