Burgundisches Recht

Das Recht der Burgunder, eines ursprünglich ostgermanischen Volkes, ist in der Hauptsache in zwei Gesetzessammlungen überliefert. Es handelt sich um die Lex Burgundionum (auch Lex Gundobada oder loi Gombette) und die Lex Romana Burgundionum. Bei den Gesetzen eines Volkes ist auch dessen Herkunft und Geschichte von Berdeutung. In den Gesetzen
spiegelt sich die Mentalität wider. Geichzeitig fließt das Gedankengut anderer Völker ein.

Ursprungsheimat der Burgunder war die Insel Bornholm. Noch im 13. Jahrhundert hieß die Insel Burgundarholm. Im Zuge der im 2. Jahrhundert einsetzenden Völkerwanderung kamen die Burgunder an die Flußmündungen von Oder und Weichsel. Später überschritten sie auch die Netze und Warthe. Selbst in Schlesien, in Brandenburg und im Odenwald siedelten sie zeitweise. Einige Stämme wanderten sogar bis zum Schwarzen Meer. Bei ihren langen Wanderungen wurden die Burgunder mehrfach in Kämpfe verwickelt.

Schließlich siedelte sich der größte Teil der Burgunder westlichz des Rheins an. Hier wurde das Königreich Burgund gegründet. Zur Hauptstadt des Burgunderreiches wurde die Stadt Worms (Borbetomagus). Sie bildete den Ausgangspunkt für die Nibelungensage.

Das Königreich Burgund existierte allerdings höchstens von 413 bis 437. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Römern. Bei dem dann folgenden Krieg mit den Hunnen wurde Burgund unterwofen. Später, vermutlich zwischzen 451 und 457, wurde Lyon die Hautstadt des neuen Königreiches Burgund.

Zeitweise existierte neben dem Konigreich Burgund noch das Herzogtum Burgund. Im 9. Jahrhundert gab es sogar die Königreiche Hochburgund und Niederburgund. Später gingen die Burgundischen Reiche im Reich der Franken auf. Heute erinnert die Bourgogne an die ehemaligen Burgundischen Reiche.

Nach diesem geschichtlichen Überblick soll das Burgundische Recht wieder zur Sprache kommen. Unter dem Burgunderkönig Gundabada (gest. 516) entstand die Lex Burgundionum und die Lex Romana Burgundionum. Es handelte sich um zwei der ältesten Germanischen Stammesrechte.Die Lex Burgundionum wurde auch als Lex Gundobada bezeichnet. Es ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wer der ursprüngliche Urheber der Texte ist und welche Handschriften von Gundobada und welche von seinem Sohn Sigismund stammen. Der Verfasser der Gesetzsammlung hat nachweisgar den spätrömischen Codex Theosianus und vermutlich auch die Paulussentenzen benutzt.

Von König Gundobada stammt auch die Lex Romana Burgundionum. Dieser Gesetztext stammt aus zahlreichen Quellen. Hierzu gehört u.a. der Codex Theodosianus, die Paulussentenzen und ein Werk des Gaius. Es wird vermutet, dass sich das Gesetz auf die in Burgund lebenden Römer bezog.

Von Bedeutung ist auch der Codex Ruricianus. Eigentlich sollte dieses Gesetz nur das Zusammenleben der Westgoten, der Römer und der Keltiber auf der Iberischen Halbinsel regeln. Es wird dem Westgotenkönig Eurich (regierte von 466-484) zugeschrieben. Eventuell war sein Sohn Alerich II. der Hauptverfasser.l Der Codex Euricianus gilt als älteste Germanische Rechtssatzung überhaupt. Seltsamerweise diente der Codex Euricianus 300 Jahre später als Basis für die Lex Baiuvariorum, der ersten Bairischen Gesetzschreibung.

Viele gesetzliche Tatsachen lassen sich nicht mehr voll aufklären. Auch die einzelnen Gesetzestexte sind vielfach nur noch in Fragmenten erhältlich, über die Urheber herrscht oftmals Unklarheit.

Literaturhinweise: