Clemens Brentano

Porträt Clemens Brentano von Emilie LindnerClemens Brentano (* 9.9.1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz), † 28.07.1842 in Aschaffenburg), Dichter und Vertreter der Heidelberger Romantik.

Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche wird als Sohn des Frankfurter Kaufmanns Pietro Antonio Brentano und Goethes Jugendfreundin Maximiliane La Roche geboren. Nach dem Tod der Eltern entzieht sich Brentano der aufgedrungenen bürgerlichen Berufsausbildung und besucht mehrere Universitäten in Bonn, Halle, Jena und Göttingen, ohne einen Abschluß zu erlangen. Er studiert Bergwissenschaft, Medizin und Philosophie, bricht aber alles ab. In Jena, dem Zentrum der frühromantischen Bewegung, beginnt er dann unter Einfluß von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, den beiden Schlegel, Ludwig Tieck und Ernst August Friedrich Klingemann sein dichterisches Schaffen.

Gemäß dem aufgelösten romantischen Gattungsbegriff setzt seine literarische Produktion auf verschiedenen Gebieten ein: Neben die Lyrik tritt die Literatursatire, die sich hauptsächlich gegen August von Kotzebue richtet, und der „verwilderte Roman“ Godwi oder das steinerne Bild der Mutter, der 1801 erscheint und in der Nachfolge des frühromantischen Bildungsromans eine verwirrende Formenvielfalt mit Witz und Gefühl verbindet. Nach dem Lustspiel Ponce de Leon (1804), das die Aufmerksamkeit Johann Wolfgang von Goethes findet, beginnt Brentano neben der im romantisch-mittelalterlichen Stil gehaltenen Chronika eines fahrenden Schülers (1818) mit seinem wohl ehrgeizigsten Jugendwerk, dem Versepos Die Romanzen vom Rosenkranz (1810), eine Reihe von romantischen Fabeln, dessen labyrinthische Handlung zu keinem Abschluß kommt.

1801 lernt Brentano in Göttingen Achim von Arnim (1781-1831) kennen, mit dem ihn bald eine sehr starke Freundschaft verbindet und sein „Herzbruder“ wird. Nach seiner Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau zieht das Paar und von Arnim 1804 nach Heidelberg, wo er mit Arnim die Zeitung für Einsiedler herausgibt und mit der Sammlung deutscher Volkslieder beginnt, die unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn erscheint. Der erste Band dieser durch Herders Volkslieder (1778-1779) angeregten Sammlung ist Goethe gewidmet.
Seine Frau stirbt 1806 bei der Geburt des dritten Kindes; auch die beiden ersten Kinder sind früh nach ihrer Geburt gestorben. Wenige Monate später heiratet Brentano Auguste Bußmann, Die zweite Ehe wird 1814 geschieden.

1809 geht Brentano nach Berlin, wo er sich mit Arnim wieder in den gesellig-gelehrten Zirkeln bewegt, die sich um die neugegründete Universität gebildet haben. Hier beschäftigt er sich zusammen mit den befreundeten Brüdern Grimm mit Volksmärchen, Brentano jedoch nicht in der Absicht, eine ordnende Sammlung herauszubringen. Die seit 1811 bearbeiteten und postum erschienenen Rheinmärchen (1846) sind eine verschachtelte, von Episode zu Episode fortschreitende, freie Entfaltung und Umformung bekannter Märchenmotive. In der Geschichte von braven Kasperl und dem schönen Annerl (1817) mischt Brentano in der für die Spätromantik typischen Weise realistische und märchenhafte Elemente zu einer ergreifenden Schicksalsnovelle.

1811 verläßt Brentano Berlin; nach Reisen nach Böhmen – dort entsteht das historisch-romantische Drama Die Gründung Prags (1812) -und Wien, wo er in den katholischen Kreisen um den Historiker Adam Müller und den Theologen Clemens Maria Hofbauer verkehrt, kehrt er 1814 nach Berlin zurück. Unter dem Einfluß einer unglücklichen Liebe zu der tiefreligiösen Pastorentochter Luise Hensel bricht in Brentano eine lang angestaute Lebenskrise aus; sie stellt ihn vor die Entscheidung zwischen Ästhetizismus oder einem bewußt religiösen Leben.

1817 legt er die Generalbeichte ab und vollzieht damit den Bruch mit seinem poetischen Vorleben, kehrt aber damit in den Schoß der katholischen Kirche zurück. Nun sucht er eine seinen neuen, rigorosen religiösen Vorstellungen entsprechende Aufgabe: 1819 reist er nach Dülmen, um die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick aufzuzeichnen. Diese selbst gewählte „Lebensaufgabe“ hält ihn bis zum Tod der Nonne 1824 in Westfalen fest. 1833 veröffentlicht er anonym Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi; postum erscheinen Das Leben der heiligen Jungfrau Maria (1852) und Das Leben unseres Herrn und Heilands Jesu Christi (1852/58). Alle Bücher haben einen unglaublichen Erfolg und machen Brentano zum berühmten katholischen Erbauungsschriftsteller, dessen poetisches Werk allerdings vergessen wird und das er selbst als „geschminkte, duftende Toilettensünden unchristlicher Jugend“ diskreditiert.

Die letzten Jahre verbringt Brentano im Kreis seiner Freunde in München. 1842 stirbt er in Aschaffenburg im Hause seines Bruders Christian.

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