Heroiden

Untergattung der Epistel, benannt nach "Heroides" fiktiven Liebesbriefen, mythischer Frauengestalten bzw. berühmter, antiker Liebespaare: ihrem Gehalt nach der erotischen Elegie entstammend; begründet von Ovid. Merkmal: Sie ist wie die Briefgattung überhaupt stark subjektiv geprägt und intendiert den differenzierten Ausdruck menschlicher Empfindungen und Gefühle. Mehrere Genera kreuzen sich: Brief, Elegie, dramatischer Monolog.

Eine Wiederbelebung der Gattung erfolgte in der Renaissance in Deutschland - in lateinischer Sprache und unter christlichem (mythischem) Vorzeichen - zuerst durch Eobanus Hessus (Heroides christianae, 1514-1532). Später wurden Heroiden in deutscher Sprache vielfach im Barock verfast. Besonders berühmt wurde die Sammlung von Helden-Briefen von Hofmann von Hofmannswaldau. In elegischen Distichen geschrieben, jeweils genau 100 Verse umfassend. Um eine neuerliche Wiederbelebung bemühten sich im 19. Jahrhundert der Literaturhistoriker August Wilhelm Schlegel und der Dichter August von Platen, jedoch blieben ihre Versuche vereinzelt und ohne Nachfolge.