Historischer Roman

Der historische Roman behandelt Ereignisse einer längst vergangenen Epoche, die der Autor selbst nicht miterlebt hat. Folglich muß er recherchieren, wie die Gegebenheiten in der jeweiligen Ära waren. Besonders problematisch ist es hierbei, die Mentalität jener Zeit zu erfassen.

Zu den Begründern des historischen Romans zählen in Deutschland vor allem Wilhelm Hauff und Benedikte Naubert. Wilhelm Hauff (1802-1827) schrieb 1826 den Roman „Lichtenstein“.

Die weitgehend vergessene deutsche Schriftstellerin Benedikte Naubert (1756-1819) schrieb insgesamt 5o historische Romane. Zu den wichtigsten gehören sicher „Ulrich Holzer“ und „Die Amtmannin von Hohenweiler“. Ihre Bücher wurden teilweise ins Französische und Englische übersetzt. Dadurch lernte sie Sir Walter Scott (1871-1832)  kennen. Benedikte Naubert machte in ihren Romanen die Nebenpersonen zu Hauptpersonen. Diese Methode wurde von Sir Walter Scott übernommen.

Den ersten englischen historischen Roman veröffentliche Sir Walter Scott 1814 mit dem Titel „Waverly“. Der Roman bezog sich auf den Jakobineraufstand von 1745/46.

Der Pole  Henryk Sienkiewicz (1846-1916) beschrieb in seinem  Romanen die Konflikte zwischen Polen und dem Deutschritterorden. Weiter beschrieb er die rebellierenden Kosaken und die Schwedeneinfälle. Er gab 1895 das Buch „Quo vadis“ heraus. Dafür erhielt er 1905 den Literaturnobelpreis.

Die norwegische Autorin Sigrid Undset (1882-1949) schrieb von 1920-1922 den Roman „Kristin Lavransdatter“ Sie erhielt dafür 1928 den Literaturnobelpreis.

Im Jahre 1933 schrieb Franz Werfel (1890-1945) ein Buch über das armenische Volk. Es hatte den Titel „Die vierzig Tage des Musa Dagh“.

Im Jahre 1918 schrieb Leon Feuchtwanger (1884-1958) das Drama „Jud Süß“. Später erweiterte er das Werk zu einem Roman. Der Roman erschien 1925. Bereits 1827 schrieb Wilhelm Hauff den „Jud Süß“ als Novelle. Hinter dem Namen Jud Süß verbarg sich der jüdische Finanzberater Joseph Ben Issaschar Süßkind Oppenheimer kurz Joseph Süß Oppenheimer, auch diffamierend Jud Süß (1698-1738). Er war Finanzberater des Herzogs Alexander vom Württemberg.

Sir Walter Scott hatte für den historischen Roman eine große Bedeutung. Er beeinflußte andere Autoren. Hierzu gehörten  Balzac, Hugo, de Vigny, Merimeé, Manzoni, Puschkin, Tolstoi, Stifter und Fontane.

Honoré de Balzac (1799-1850) schrieb 1829 „Le dernier Chouan, ou La Bretagne en 1800“. Später wurde der historische Roman überarbeitet und umbenannt in „Les Chouans ou La Bretagne en 1799“.

Victor Hugo (1802-1885) schrieb 1831 „Der Glöckner von Notre Dame“. Dieses Buch förderte in Frankreich die Erhaltung des gotischen Kulturgutes. Weiter führte es zur Gründung der staatlichen Behörde „monuments historique“.

Alfred Comte de Vigny (1797-1863) schrieb 1826 „Cinq-Mars ou une conjuration sous Louis XIII“. Erst 1867 erschien das Buch “Le Journal d´ un poete”.

Prosper Merimeé  (1803-1870) schrieb “Chronice de Charles IX”.

Alexander Manzoni (1785-1873) schrieb “Die Verlobten”.

Alexander Serjegewitsch Puschkin (1799-1837) schrieb 1836 „Die Hauptmannstochter“.  Dieser historische Roman behandelt das Leben des Jemaljan Iwanowitsch Pugatschow (ca. 1742-1775).

Leo Nikolajewitsch Graf von Tolstoi (1828-1919) schrieb 1864-1869 „Krieg und Frieden“ und 1873-1876 „Anna Karenina“.

Alexej Nikolajewitsch Tolstoi (1883-1945) schrieb „Peter der Große“.

Von 1865-1868 schrieb Adalbert Stifter  (1805-1868) an seinem mittelalterlichen-böhmischen Roman „Witiko“.

Theodor Fontane (18.19-1898) schrieb 1878 „Vor dem Sturm“.

Nicht zu den historischen Romanen gehören die Fantasy-Romane  aus dem Mittelalter. Auch die Neubearbeitung von Sagen und Legenden fallen in eine andere Richtung.  Selbst die Wildwest- oder Rittergeschichten spielen für den historischen Roman keine Rolle. Einer der vielen Grenzfälle wäre der Roman „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann (1875-1955).