Hörbuch

Ein Medium wie Kassette od. CD, die gesprochenen Text enthält (z. B. Belletristik, Sprachlehrgänge).

Das Magazin "Der Spiegel" bezeichnete Hörbücher als Kassetten mit gelesener oder hörspielmässig aufbereiteter Literatur. Im Spiegel Spezial wurden Hörbücher in Autorenlesungen, von Sprechern Vorgelesenes und klassische Hörspiele eingeteilt. Die Zeitschrift "Focus" sprach ganz allgemein von gesprochener Literatur. Aber wie lassen sich Kriminalhörspiele, Kinder und Jugendhörbücher, Gedichte bzw. Lyrik als Hörbücher, Sprachlehrkassetten, gesprochene Ratgeber oder akustische Reisebegleiter einordnen? Es zeigt sich, dass unter dem Oberbegriff Hörbuch – Audiobook – unterschiedliche Spielarten des gesprochenen Worts auf Tonträgern zusammengefasst sind. Festzuhalten ist, dass es sich im Gegensatz zum Musiktonträger um einen Worttonträger handelt.

Geschichte des Hörbuchs

Erstmalig wurde der Begriff Hörbuch für einen Worttonträger, der speziell für Blinde gedacht war, im Gründungsjahr der Deutschen Blindenhörbücherei 1954 verwendet. Im gleichen Jahr versuchte sich die "Deutsche Grammophon", nachdem die doppelseitig bespielbare Langspielplatte auf Vinyl auf den Markt gekommen war, mit ersten Aufnahmen der Gründgens-Inszenierung "Faust I" vom Düsseldorfer Schauspiel. Von diesem Mitschnitt, der inzwischen auch als Kassette und CD erhältlich ist, wurden mehr als 250.000 Exemplare verkauft.

Seit 1963 schritt die Kommerzialisierung und Verbreitung von Aufnahmen auf Kassetten voran. In den 60er Jahren entstanden Lesungen der Thomas-Mann-Romane „Die Buddenbrooks“,„Lotte in Weimar“ oder „Joseph und seine Brüder“, ebenfalls von der "Deutschen Grammophon" vermarktet. Auch andere Tonträgerfirmen, wie zum Beispiel Polydor oder Elektrola, veröffentlichten vereinzelt Wortaufnahmen zu dieser Zeit. Bis in die 70er Jahre lassen sich jedoch keine nennenswerten Entwicklungen des Hörbuchs konstatieren.

Als einer der ersten Hörbuchverlage gilt "Schumms sprechende Bücher". Der Gründer des Verlags brachte die Idee 1979 von einer Geschäftsreise aus den USA mit nach Deutschland. Die ursprünglichen Adressaten waren Blinde und Sehbehinderte.
Seit den 80er Jahren ist das Hörbuch auf dem Weg, massenattraktiv zu werden. Ende der 80er Jahre wurde damit begonnen, für  das Hörbuch professionelle Vermarktungsstrategien zu entwickeln. Als 1987 der Hörbuchverlag Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen sein Repertoire auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte, wurden Hörbücher als Medium für blinde und alte Menschen betrachtet und führten im Sortimentsbuchhandel ein Schattendasein. Ein Grund hierfür war auch die ungenügende Information über Hersteller, Angebot und Bezugsquellen von Hörbüchern.

Erst 1999 wurde beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels der Arbeitskreis Hörbuchverlage gegründet, der als Mitgliedergruppierung von Verlagen innerhalb des Börsenvereins von Anfang an eine große Akzeptanz erreichte und mit seinen Aktivitäten half, das Hörbuch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Arbeitskreis Hörbuch nahm als erste große Veranstaltung die Leipziger Buchmesse 2000 wahr und organisiert auch auf der Frankfurter Buchmesse seitdem den Gemeinschaftsstand der Hörbuchverlage. Die Leipziger Buchmesse hat sich inzwischen als Forum für das Hörbuch etabliert.

Vermarktung von Hörbüchern

Hörbücher gelten als Tonerzeugnisse und unterliegen damit nicht der Buchpreisbindung. Durch seine Beschaffenheit als Tonträger eignet sich das Hörbuch auch für den Vertrieb im Tonträgerhandel. Aufgrund seiner vorwiegend literarischen Inhalte wird es aber größtenteils über den Buchhandel vertrieben. Die Hörbuchverlage und -labels bevorzugen diesen Weg auch, weil sie die Beraterkompetenz der Buchhändler schätzen. 80 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Hörbuchmarkt wurden bisher über den Buchhandel erzielt, 10 Prozent über den Tonträgerfachhandel und 10 Prozent über den Versandhandel. Der HörVerlag war der erste Hörbuchverlag, der den Versuch machte, auch den Tonträgervertrieb zu erschließen. Mit dem Label BMG Wort, das seit Herbst 1999 Hörbücher anbietet, wurde dieser neue Vertriebsweg schließlich auch in größerem Maßstab genutzt. In erster Linie werden über den Tonträgerhandel solche Hörbücher vertrieben, die von Tonträgerlabels produziert werden. Geeignete Inhalte für den Tonträgerhandel sind insbesondere Fantasy- und Science-Fiction-Hörspiele, Kabarett und Comedy, aber auch das experimentelle Hörspiel durch seine Nähe zur Musik. Auf diese Weise werden Zielgruppen angesprochen, die nicht zum Kern der Käufer von Literaturtonträgern gehören. Schallplattenlabels, Tonträgerunternehmen und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten gehen auch Kooperationen ein, um ihre Hörbuchproduktionen im Buchhandel absetzen zu können. So kooperiert zum Beispiel Lübbe Audio mit dem Label Wort-Art, und der Hessische Rundfunk vermarktet seit geraumer Zeit seine Hörbucher unter dem eigenen Label hr audio und ist damit im Buchhandel vertreten. Mit eigens dafür angefertigten Regalen wird in den so genannten hr-Partnershops die ganze hr-audio-Produktpalette aus Hörbüchern, Videos und Musik-CDs angeboten.

Ein weiteres Instrument, um Öffentlichkeit für das Hörbuch zu schaffen, ist die Wahl des beliebtesten Hörbuchs durch Buchhandelskunden. Dieser Preis, genannt "Hörkules", wurde erstmalig auf der Leipziger Buchmesse im März 2001 vergeben. Er wird von der Buchmarketingfirma "Buchwerbung der Neun" (BWd9) einmal im Jahr ausgelobt und gilt als Publikumspreis der Hörbuchbranche. Die Abstimmung erfolgt über das Prospektmagazin Hörbuch, das zweimal pro Jahr (Auflage: 100 000) im Buchhandel erscheint, sowie über die Webseite www.bookscene.de. Im Jahr 2002 wurde erstmalig der Deutsche Hörbuchpreis vergeben, der mit 20 000 Euro dotiert ist und vom WDR auf der LitCologne verliehen wurde. Der Preis wurde in fünf Kategorien ausgelobt: Bestes Hörbuch, Beste Information, Beste Innovation, Beste Unterhaltung und Beste Interpretation.

Die kostenlosen Buchhandelskundenzeitschriften Buchjournal und Buch aktuell berichten regelmäßig über aktuelle Themen und Trends auf dem Buch und Hörbuchmarkt. Das Buchjournal (Auflage: 500 000, erscheint vierteljährlich) ist für Verlage ein Werbeträger für Anzeigen und für etwa 2 700 Buchhandlungen ein Verkaufsförderungs-instrument das einen großen Kundenkreis anspricht. Die dreimal jährlich erscheinende Kundenzeitschrift Buch aktuell wird von den Verlagen finanziert und in 750 Buchhandlungen kostenlos an Kunden weitergegeben.