Intelligenzblätter

Die Intelligenzblätter haben nichts mit Intelligenz zu tun. Wer ein Intelligenzblatt las, brauchte nicht sonderlich intelligent zu sein.

Die Intelligenzblätter waren im 18. Jahrhundert die ersten Anzeigenblätter nach englischem Vorbild. In diesen Anzeigenblättern erschienen Anzeigen jeglicher Art. Hierzu gehörten Geburts-, Heirats- und Todesanzeigen. Hinzu kamen amtliche Bekanntmachungen über Gerichtstermine, Ausschreibungen, Konkurse sowie Zwangsversteigerungen. Gleichzeitig enthielten die Intelligenzblätter Listen über die in den Hotels abgestiegenen Fremden. Geschäftliche und private Kleinanzeigen rundeten das Bild ab. Die Intelligenzblätter gelten als Vorläuferin der Anzeigenblätter.

Die Geschichte der Intelligenzblätter ist sehr facettenreich. Bereits im Jahre 1612 eröffnete der Pariser Arzt Théophraste Renaudot  (1586-1653) ein Annoncenbüro („d´adress“). Bald entwickelte sich daraus eine Infobörse für jegliche Art von Käufen, Verkäufen, offenen Stellen oder Reiseangelegenheiten. Bedingt durch die große Nachfrage, wurden die Angebote ab 1631 als „Feuille du bureau d`adress“ („Blatt des Anzeigenbüro“) deklariert. Diese Blätter wurden periodisch publiziert und kostenlos verteilt.

In England erschien das erste Intelligenzblatt ab 1637 als „Public Advertiser“.

Im deutschsprachigen Raum erschien das erste Intelligenzblatt am. 1. Januar 1722 in
Frankfurt am Main. Bis dahin enthielten die einzelnen Zeitungen nur politische, literarische u. a. Artikel. Durch die zusätzlichen Anzeigen wurde die Wichtigkeit einer
weiteren Einnahmequelle erkannt.

Spätestens mit Beginn des 19. Jahrhunderts legten sich die Zeitungen unterschiedlichster Art Anzeigen-Beilagen zu. Diese trugen Namen wie „Mindenscher Öffentlicher Anzeiger. Beilage zum 26sten Stück des Sonntagsblattes vom …“ oder „Intelligenzblatt zum Morgenblatt“.

Mit dem Jahre 1727 erschienen in Preußen und anderen deutschen Staaten Intelligenzblätter, die dem jeweiligen Staat zusätzliche Einnahmen bescherten. Jene Intelligenzblätter waren mit einem Anzeigenmonopol verbunden. Es gab den Insertionszwang. Gleichzeitig mussten alle staatlichen Bediensteten die Intelligenzblätter abonnieren. Die Begriffe Insertionszwang und Abonnementszwang wurden unter dem Begriff Intelligenzzwang zusammengefasst. In Preußen gab es die „Wöchentlichen Berlinischen Frag- und Anzeigennachrichten“.

Bereits 1811 wurden in Preußen die Intelligenzblätter im Zusammenhang mit den Reformen abgeschafft. Stattdessen erschienen die amtlichen Bekanntmachungen und Ausschreibungen in besonderen Amtsblättern.

Mit dem Jahre 1848 führte die „Erklärung der Presse- und Gewerbefreiheit“ zur Einstellung der meisten staatlichen Intelligenzblätter.

Die Intelligenzblätter publizierten in der Regel nur Anzeigen. Das brachte den Vorteil mit sich, dass diese im Jahre 1810 von der napoleonischen Zeitungsverbotswelle verschont blieben.

Die Angaben darüber, wie viele Intelligenzblätter es im deutschsprachigen Raum gegeben hat, gehen sehr weit auseinander So stellte. der Historiker Friedrich Huneke
188 Gründungen in 166 Orten fest. Anders sieht es der Bremer Presseforscher Prof.
Holger Böning. Er schätzt die Anzahl der Intelligenzblätter allein im 18. Jahrhundert auf mindestens 220 Stück. Die ZDB (www.Zeitschriftenbank.de) weist dagegen 560 Stück aus.

Heute gibt es in Deutschland nur noch ein Intelligenzblatt. Es handelt sich um das Intelligenzblatt Dorfen in 84405 Dorfen. Dieses kommerziell betriebene Anzeigenblatt hat eine wöchentliche Auflage von 30.000 Stück.

Die Intelligenzblätter haben eine große geschichtliche Bedeutung. Verschiedene Institutionen haben den historischen Wert der Intelligenzblätter erkannt. Aufgrund der zahlreichen Anzeigen kann man über Jahrzehnte hinweg die Probleme längst vergangener Epochen verfolgen. Nicht zu vergessen sind die vielseitigen kulturellen Veranstaltungen.