Kreisleriana

Der Begriff wurde Anfang 1810 von E.T.A. Hoffman geprägt und steht im Zusammenhang mit seiner künstlerischen Tätigkeit in Bamberg.Hier lebt das Ehepaar Hoffmann vom 1.9.1808 bis zum 21.4.1813. Hoffman muss in diesen Jahren mancherlei unliebsame Tatsachen verkraften. Seine künstlerische Tätigkeit verläuft in mancher Hinsicht anders, als ihm lieb ist.

Eine Zeittafel soll dies verdeutlichen:

1808
Hoffmann ist als Kapellmeister am Theater in Bamberg
tätig. Die Zusammenarbeit mit den Theatergrößen und
dem Orchester erweisen sich als wenig fruchtbar. Er
sieht sich bald gezwungen, seine Dirigententätigkeit
wieder aufzugeben. Dafür bleibt er vorläufig
Theaterkomponist.
Da er davon nicht leben kann, muss er in den besseren
Kreisen von Bamberg Gesangs- und Klavierunterricht
geben.
Seine Musikkritiken schreibt er für die in Leipzig
ansässige „Allgemeine Musikalische Zeitung“. Hier ist
Friedrich Rochlitz (1769-1842) für ihn der zuständige Redakteur.

1809
Hoffmann kündigt am 17.April mit sechswöchiger Frist mündlich seine Tätigkeit am Bamberger Theater.
Am 15. Februar wird seine Erzählung „Ritter Gluck“
durch die „Allgemeine Musikalische Zeitung“
veröffentlicht, für die Hoffmann seit dem 27. Januar
arbeitet.
Es folgte eine Reihe von Musikrezensionen.
Im März macht Hoffmann die Bekanntschaft mit dem
seit 1807 im Weinhandel tätigen Carl Friedrich Kunz
(1785-1849). Dieser gründet 1812 eine Leihbibliothek,
ein Jahr später einen Verlag.


1810
Hoffmanns österreichischer Freund Franz Ignaz von Holbein (1779-1855) übernimmt das Bamberger
Theater. Holbein war als Theaterschriftsteller, Sänger, Schauspieler und Theaterlektor in Wien, München, Regensburg, Stuttgart und Nürnberg tätig gewesen. Hoffman wird als Direktionsgehilfe, Dramaturg, Regisseur, Bühnenarchitekt und Dekorateur (Maler) übernommen. Hoffmann und Holbein arbeiten fruchtbar zusammen.
Im Frühjahr beginnt Hoffmann mit der Niederschrift von „Johannes Kreislers, des Kapellmeisters, musikalische Leiden“. Er beschreibt als Kapellmeister Johannes Kreisler seine Leidenszeit in Bamberg.
In den Kreisleriana erläutert Kreisler der Rätin Benzon die Bedeutung des Namens. Er legt dar, dass wir alle in Kreisen leben. Diese Kreise mit Rechten und Pflichten zu füllen, ist schwierig. Für Hoffmann kreiselt es.
Am 26.September beginnt die Veröffentlichung des Werkes in der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“.

1811
Hoffmann verliebt sich in seine Gesangsschülerin Julia Mark (1796-1865). Am 3.12.1812 heiratet diese jedoch den Kaufmann Johann Gerhard Graepel (1780-1826). Diese unglückliche Liebe hat auf das künstlerische Schaffen von Hoffmann großen Einfluss. Sie findet ihren Niederschlag in dem Buch „Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza“ Es zählt zu den Fantasiestücken in Callots Manier.

1812
Holbein beendet seine Tätigkeit in Bamberg. Hoffmann verliert seinen Arbeitsplatz.

1813
Am 21. April bricht Hoffmann mit Mischa nach Dresden auf, wo er Kapellmeister wird. Diese Tätigkeit bringt wechselnde Aufenthalte in Dresden und Leipzig mit sich, da die Operngesellschaft von Joseph Seconda zwischen diesen Städten hin- und herpendelt.
Es erfolgt der Vertragsabschluß mit dem Bamberger Verleger C. F. Kunz über die „Fantasiestücke in Callots Manier“. Der Begriff Callots Manier bezieht sich auf den lothringischen Maler Jaqces Callot. (1592-1635).

Die Fantasiestücke in Callots Manier erscheinen von 1814 bis 1815 in vier Bänden beim Verleger Carl Friedrich Kunz.

Die Kreisleriana beschränken sich allerdings nicht nur auf die „Fantasiestücke in Callots Manier“. Sie sind auch Bestandteil der „Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biografie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern“. Im Vorwort legt E.T.A. Hoffmann den Sachverhalt so dar, dass ein schriftstellerisch tätiger Kater, Murr geheißen, während der Niederschrift seiner Lebensansichten Seiten aus einem Buch über den Kapellmeisters Kreisler herausreißt, um diese zum Löschen oder als Unterlage zu benutzen. Aufgrund der Unachtsamkeit des Herausgebers gelangen nun die Fragmente der Biographie des Kapellmeisters als Einschübe zwischen die Ausführungen des Katers.

Im Jahre 1838 komponiert Robert Schumann (1810-1856) acht Fantasiestücke, die er aus Neigung zu E.T.A. Hoffman „Kreisleriana“ nennt. Es handelt sich um „opus 16“.

Zu erwähnen bleibt E.T.A. Hoffmanns zeitweise katastrophale schreckliche wirtschaftliche Notlage sowohl in Bamberg als auch in Berlin.

Literaturhinweise: