Literaturzensur

Viele lesen gerne mal Bücher, Hefte oder auch nur Aufsätze, die Themen behandeln, die man nur im Geheimen zu lesen wagt: Sexuelles, Revolutionäres, Verbrecherisches - nur mal, nur "zur Probe". Es gibt aber andere Leute, die das alles verhindern wollen. Sie versuchen, die entsprechenden Druckschriften zu vernichten. Kirche und Staat erlassen Zensurgesetze im 16. Jahrhundert, auf Grund deren das Lesen von erschienenen Schriften verboten wurde (kirchlich) oder erschienene Schriften vernichtet wurden. Diese Methode nennt man Nachzensur. Erst im 19. Jahrhundert nimmt diese Art der Zensur bedeutend zu. In Deutschland werden z.B. ab etwa 1850 alle Schriften und Bilder vernichtet, die Polen als früher oder später existierenden Staat bezeichnen. 1878-1888 werden
sozialistische Schriften mittels Gesetz verurteilt, danach aber immer noch ohne dieses Gesetz. Und ab den 90er Jahre wird immer intensiver sogenannte "Schund- und Schmutzliteratur" verboten. Die Zahl der gesamten Verbote allein von 1870 bis 1914 von Schriften und Bildern (z.B. Postkarten mit Wiedergaben von Malereien auch berühmter Maler in Museen) übertrifft die der Verbote vorher bei weitem.

Es gibt auch Verbote, die nur den Verkauf verbieten, der nicht in
Buchhandlungen geschieht, wobei es eine besondere Kommission gibt, die nur den Verkauf von Literatur auf Bahnhöfen kontrolliert.

Ein besonderes, hier einmal ein sogar nützliches Verbot beruht auf
einem Reichsgesetz von 1885, das aber nur in Sachsen beachtet wird: Ein wandernder Buchhändler (Kolporteur, daher Kolportage-Roman) kann natürlich nicht die ganzen Bücher mit sich schleppen, er hat nur je eine sogenannte Lieferung (etwa 32 Seiten) dabei. Wenn darin nicht der Preis des Gesamtwerkes steht, wurde diese Lieferung verboten. Da waren z.B. sogar Karl May oder Konversationslexika vertreten.

Weiterführende Literatur: