Magna Carta Libertatum

Am 15.6.1215 unterschreibt König Johann Ohneland die Magna Carta Libertatum. Nach zähen Verhandlungen erzwingt der revoltierende Adel mit diesem Gesetzeswerk grundlegende politische Freiheiten vom englischen König. Magna Carta Libertatum bedeutet soviel wie „Großer Freibrief“.

Die Magna Carta Libertatum beinhaltet die Privilegien der Städte. Weiter gewährt sie den Adeligen die Erblichkeit der Lehen und den Kaufleuten den freien Handel. Steuern dürfen nur mit Zustimmung der Barone erhoben werden. Hinzu kommt die freie Wahl der Bischöfe durch die Geistlichkeit. Gleichzeitig wird der Kirche Unabhängigkeit von der Krone garantiert.

Vorläufer der Magna Carta Libertatum ist die „Charter of Liberties“. Es handelt sich dabei um eine von Heinrich I. (1068-1135) im Jahre 1100 proklamierte Vereinbarung mit dem Adel. Der König erkennt darin
gewisse Rechte der geistlichen und weltlichen Größen an. Aus der Charter of Liberties werden größere
Textpassagen direkt in die Magna Carta Libertatum übernommen. Heinrich I. ist der jüngste Sohn von Wilhelm I. dem Eroberer (1027-1087).

König Johann Ohneland (1167-1216) ist von 1199 bis 1216 König von England. Er erhält den Beinamen „Ohneland“ deshalb, weil sein Vater Heinrich II. von England (1133-1189) ihm bei der Aufteilung des Erbes
nur kleinere Randgebiete des Angevinischen Reiches zuspricht. Hierzu gehört die Grafschaft Mortain und die erst kurz vorher eroberten und noch nicht ganz befriedeten östlichen Gebiete Irlands.

König Johann Ohneland ist der Bruder Richards I. („Löwenherz“) (1157-1199).Er nimmt am 3. Kreuzzug (1189-1192) teil. In dieser Zeit wird Johann Ohneland zum Stellvertreter König Richards I. („Löwenherz“) bestimmt.

König Richard I. („Löwenherz“) ist von 1189 bis 1199 König von England. Während eines Gefechts in Frankreich stirbt er an den Folgen einer Verwundung. Sein Bruder Johnn Ohneland wird sein Nachfolger.

Heinrich II. begründet 1154 das Angevinische Reich. Es besteht bis 1259. Aus dem frazösischen Adjektiv „angevin“ "Von Anjou" leitet sich der Begriff „Angevinisches Reich“ ab. Dahinter verbirgt sich der territoriale Besitz des Hauses Anjou-Plantagenet. Durch Erbschaften und durch Heiraten wird das Angevinische Reich immer größer. Es erstreckt sich auf England und auf große Teile Westfrankreichs.

Der französische Teil des Angevinischen Reiches wird immer wieder von der Eroberungspolitik der französischen Könige berührt. Eine besondere Rolle spielt dabei König Philipp II. August (1165-1223) von Frankreich.

Nach diesen geschichtlichen Einflechtungen soll nun der weitere Weg der Magna Carta Libertatum zur Darstellung gelangen.

Die Magna Carta Libertatum erfährt eine reichhaltige Entwicklung. Sie wird immer wieder geändert und mit wichtigen neuen Artikeln versehen. Im Jahre 1689 wird die Magna Carta Libertatum durch die „Bill of Rights“ abgelöst.

Das Gesetz heißt zunächst „Declaration of Rights“. Es enthält die Rechte des Parlaments gegenüber dem König.

In der heutigen Zeit ist die Magna Carta Libertatum noch Teil und Fundament der Gesetze des Vereinigten
Königreiches. Selbst in den Vereinigten Staaten ist die Magna Carta Libertatum zusammen mit der Bill of
Rights Grundlage aller Gesetze.

Literaturhinweise: