Münchner "Gesellschaft der Krokodile"

Es hat zahlreiche Gesellschaften zur Förderung der Kultur gegeben. Oft wurden diese Gesellschaften durch die einzelnen Regenten in jeglicher Form gefördert. In München war das nicht anders.

König Ludwig I. (1786-1868) förderte die Kultur nach besten Kräften. Hierzu gehörte u. a. der Bau der Alten Pinakothek. Mit dem Jahre 1826 wurde der Grundstein gelegt. Im Jahre 1836 konnte die Alte Pinakothek der Öffentlichkeit übergeben werden.

Darüber hinaus versuchte er, geistige Größen nach München zu holen. Erst seinem Nachfolger Maximilian II. (1811-1864) war ein größerer Erfolg beschieden. Seinem Ruf nach München folgten u. a. Der Chemiker Justus Freiherr von Liebig (1803-1875, der Ethnologe Wilhelm Heinrich Riehl (1823-1897) und der Historiker Heinrich von Sybel (1817-1895).

Ebenso nach München kamen die Schriftsteller Emanuel Geibel (1815-1884) und Paul Heyse (1830-1914). Heyse siedelte 1854 für immer nach München über.

Emanuel Geibel war Vorleser von Maximilian II. Außerdem war er der Hauptvertreter des Münchner Dichterkreises. Er blieb von 1852 bis 1868 in München.

Durch die Übersiedlung des Emanuel Geibel bedingt entstand 1852 in München die Kulturgesellschaft "Die Zwanglosen". Diese Institution bestand aus Einheimischen und Zugereisten. Die Zugereisten bezeichnete man als "Nordlichter". Immer wieder gab es zwischen den Einheimischen und den Zugereisten Reibereien. Deshalb trat Geibel 1858 zurück.

Auch Paul Heyse gehörte der Kulturgesellschaft "Die Zwanglosen" an. Als Geibel 1858 zurück trat, blieb Heyse. Er wollote nach dem Vorbild der Berliner Vereinigung "Tunnel über der Spree", der auch Geibel angehörte, in München einen Dichterkreis schaffen.

Zusammen mit dem Schriftsteller Julius Grosse (1827-1902) lud Heyse zur Gründungsversammlung am 5.11.1856 in das Kaffeehaus "Zur Stadt München" ein. Es entstand die
Münchner "Gesellschaft der Krokodile". Heyse war führend im Münchner Dichterkreis.

In den ersten Jahren gehörtrn u.a. der Schriftsteller und Rechtshistoriker Felix Dahn (1833-1912) und der Schriftsteller und Arzt Hermann Lingg (1820-1912) dem Münchner Dichterkreis an. Mit dem Dichterkreis "Die Krokodile" hatte es eine besondere Bewandnis. Gemäß Felix Dahn hatten sowohl Geibel als auch Lingg ein Gedicht über das Krokodil verfasst. Nach der darstellung vom glaubhafteren Heyse wurde der Dichterkreis wahrscheinlich allein nach dem Gedicht von Lingg benannt. Hierzu der Text:

Das Krokodil von Singapur

Im heil`gen Teich zu Singapur
Da liegt ein altes Krokodil
Von äußerst grämlicher Natur
und kaut an einem Lotusstil.

Es ist ganz alt und völlig blind,
Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn einer schöner Tag ist, lacht`s.

Bei den Zusammenkünften der "Gesellschaft der Krokodile" wurden eigene und fremde Werke gelesen. Sie wurden diskutiert.

Genau wie bei dem "Tunnel über der Spree" erhielten die Mitglieder Vereinsnamen. Geibel zum Beispiel war das "Urkrokodil". Eine vollstänige Liste der Vereinsnamen ist nicht erhalten.

Seitens des jungen Deutschland unterschied sich der Dichterkreis "Gesellschaft der Krokodile" durch eine absolut unpolitische Haltung. Sie wollte die Dichtung als reine Kunst im Sinne von Vorbildern handhaben. Diese Vorbilder waren in der Antike, im Mittelalter und teilweise auch im Orient vorhanden.

Wie bereits erwähnt, wurden die Künstler durch Ludwig I. Und Maximilian II. Gefördert. Mit dem Tode Maximilian II. (1864) gab es für nicht bayrische Künstler und Gelehrte eine Änderung. Ihre förderung war bedeutungslos geworden.

Nachdem die Krokodile ihren wichtigsten Förderer verloren hatten, gab es für sie nur noch ein Dornröschendasein. Die Institution entwickelte sich zu einem geselligen Zusammenschluss von Künstlern.

Literaturhinweise: