Nestorchronik

Im Mittelalter entstand immer mehr das Bedürfnis, wichtige Ereignisse dokumentarisch festzuhalten. Diese Aufzeichnungen bezeichnete man als Chronik.

Um das Jahr 1150 entstand die "Kaiserchronik".Die mittelhochdeutsche Dichtung bezog sich auf die Kaiser von Cäsar bis Konrad III.

Rudolf von Ems (etwa 1200-1252) konnte seine Weltchronik nicht mehr beenden.

Auch in Russland gab es das Bedürfnis zur Chronik. Es stand im Zusammenhang mit der Staatsgründung und der Annahme des Christentums. Im Jahre 955 nahm die Großfürstin Olga (um 890-969) das Christentum an. Sie scheiterte jedoch bei dem Versuch, das gesamte Kiewer Reich zu christianisieren. Erst 988 ließ sich der Großfürst Wladimir (980-1015) und seinen gesamtes Volk taufen.

Die bekannteste russische Chronik ist sicher die Nestorchronik. Sie wurde nach dem Mönch Nestor aus dem Kiewer Höhlenkloster benannt. Die Nestorchronik gilt als Hauptwerk der altostslawischen Geschichtschreibung. Mit dem Jahre 1073 vervollständigte der Abt Nikon in dem berühmten Kiewer Höhlenkloster die Aufzählung der wichtigsten politischen Ereignisse. Damit entstand die Erste Kiewer Chronik. Diese wurde 1093 unter Verwendung einer Nogoroder Chronik zur Zweiten Kiewer Chronik ergänzt. Um 1113 fügte der Mönch Nestor eine bis auf die Sintflut zurückreichende Einleitung und weitere Einschübe hinzu. Nach einer weiteren redaktionellen Bearbeitung entstand dann die Nestorchronik. 1116 erschien unter dem Abt Silvester (gest. 1123) aus dem Kiewer Höhlenkloster neue Fassung und 1118 eine weitere Ausgabe. Sie schloß mit dem Einfall der Polowzer.

Viele Jahre später entstanden weitere Chroniken, so im Jahr 1377 die nach dem Mönch Laurentius benannte Laurentius Chronik. Anfang des 15. Jahrhunderts erschien die Hypatius Chronik. Diese ältesten russischen Chronik-Handschriften enthalten die Nestor Chronik.

Die Nestor Chronik enthält einen Untertitel mit drei Fragenkomplexen. Es handelt sich um "Woher das russische Land seinen Anfang nahm", "Wer in Kiew zuerst zu herrschen begann" und "Auf welche Weise das russische Land entstanden ist."

Viele Chroniken schweben im geschichtlichen Dunkel. Inhaltlich weisen sie oftmals Unklarheiten und Ungereimtheiten auf. Über viele Details sind sich die Historiker nicht einig.

Literaturhinweise: