Schäferroman

Hinter dem Schäferroman verbirgt sich eine entwickelte Spätkultur mit dem Verlangen nach der Ursprünglichkeit eines ideal gedachten Lebens in einer guten und schönen Natur. Besonders nach dem Krieg mit all seinen negativen Begleiterscheinungen war dieses Verlangen vorhanden.

Es handelt sich beim Schäferroman um eine Sonderform der Arkadischen Poesie. Der Schäferroman ist eng mit der Schäferdichtung verflochten. Aufgrund seiner Entstehungszeit wird der Schäferroman auch als Barockroman bezeichnet. Geschrieben wurde er für den Landadel und das gehobene Bürgertum, um diesen die Flucht aus der sozialen Realität zu ermöglichen.

Im 3. Jahrhundert schrieb Longos von Lesbos den Schäferroman „Daphnis und Chloe“. Er handelt von zwei ausgesetzten Kindern, die von Hirten aufgezogen werden und sich ineinander verlieben. Der Roman hatte großen Einfluss auf die europäische Schäferdichtung des 16./17. Jahrhunderts.

Im Jahre 1645 brachte Philipp von Zesen (1617-1685) den Schäferroman „Die adriatische Rosemund“ heraus. Er gilt als der erste große deutsche Roman der Barockliteratur.

Der Franzose Honoré d'Urfé (1568-1625) schrieb den fünfteiligen Schäferroman „Astrée“. Es wird vermutet, dass der letzte Teil von seinem Sekretär T. Baro verfasst wurde. 1619 kam das Werk in Form einer anonymen Übersetzung nach Deutschland.

Im Jahre 1590 wurde von Sir Philip Sidney (1554-1586) der Schäferroman „Arcadia“ herausgegeben. Sidney folgte bei diesem Buch spanischen Mustern. V. Th. von Hirschberg (Martin Opitz) übersetzte den Roman 1629 ins Deutsche.