Tunnel über der Spree (Berliner Dichterkreis)

Es handelte sich um einen Berliner Dichterkreis. Das war eine literarische Gesellschaft unter der Bezeichnung "Der Sonntags-Verein zu Berlin" .

Gegründet wurde der "Sonntags-Verein zu Berlin" am 3. Dezember 1827 vom Schriftstellers Moritz Gottlieb Saphir, eig. Moses Saphir, (1795-1858), dem Hofschauspieler Friederich Wilhelm Klemm und Ludwig Schneider in der Privatwohnung von Saphier. Zum ersten Vorstand wurde Saphir bestimmt.

Als Motiv für den Verein wählten die Mitglieder das Motto "Ungeheure Ironie und unendliche Wehmut". Till Eulenspiegel wurde als Schutzpatron auserkoren.

Mit der Bezeichnung "Tunnel über der Spree" hatte es eine besondere Bewandtnis. Die Bezeichnung war eine Anspielung auf die nicht vorhandenen Tunnel unter der Spree. Gleichzeitig war es eine Anspielung auf den ersten Tunnelbau unter der Themse in London durch Isambard Kingdom Brunel (1806-1859). Drei Jahre nach Baubeginn musste der Tunnelbau 1828 aus finanziellen Gründen für sieben Jahre eingestellt werden.

In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts gehörten bedeutende Autoren zum Berliner Kreis: u.a. Theodor Fontane (1819-1898), Paul Heyse (1830-1914), Moritz Graf von Strachwitz (1822-1847) und Theodor Storm (1817-1888).

Die "Tunnel-Mitglieder" wurden von einheimischen Künstlern als "Nordlichter" beargwöhnt. Deshalb wirkten die "Tunnel-Mitglieder" Paul Heyse, Felix Dahn (1834-1912) und Emanuel Geibel (1815-1884) weiter in der Münchener "Gesellschaft der Krokodile"(1856-1863).

Von Emanuel Geibel wurde der "Tunnel über der Spree" als "Kleindichterbewahranstalt" bezeichnet.

Der "Sonntags-Verein zu Berlin " bestand bis zum Jahre 1898. Er hatte 214 Mitglieder. Jene Institution bestimmte über 70 Jahre das Literaturleben in Berlin. Darüber hinaus wurde sie teilweise richtungsweisend für ganz Deutschland.Das letzte Protokoll des Vereins trägt das Datum des 30. Oktober 1898.

Literaturhinweise: